Vorgeschichte

Vorgeschichte

Vorgeschichte

In Paris treffen sich 1970 die beiden Schweizer Schauspieler Bernie Schürch (geb. 1944 in Thun) und Andres Bossard (geb. 1944 in Zürich, gest. 1992) an der Ecole du Théâtre et de Mouvement von Jacques Lecoq. Sie tun sich als Duo zusammen und treten als Strassenkünstler «Gody und Pas» auf. Später nennen sie sich «Avant et perdu».

Floriana Frassetto entscheidet sich mit siebzehn, Schauspielerin zu werden. Sie macht zuerst eine Ausbildung an der Theater-Akademie von Alessandro Fersen in Rom. Danach perfektioniert sie ihre Künste an der Bewegungsschule Teatro Studio von Roy Bosier 

Roy Bosier ist es, der Floriana Frassetto 1970 zu einer Theatervorstellung von Bernie Schürch und Andres Bossard am Teatro Spazio Zero in Rom mitnimmt. Floriana ist fasziniert von dieser Mischung von improvisierter Kunst und Commedia dell’Arte. Floriana folgt den beiden ins Café de Théâtre «La Vieille Grille» in Paris, wo Floriana zupackt und Assistenztätigkeiten leistet. Anschliessend lassen sich die Drei in der Schweiz nieder und setzen während 3 Monate gesprochene Stücke in Maskenspiele um. So entsteht 1972 MUMMENSCHANZ. 

1972–1981

1972–1981

1972–1981

Das Trio erlebt einen Aufstieg wie aus dem Bilderbuch. Es wird zu den wichtigsten Festivals eingeladen, ein erster Film entsteht. Auf die Sprache wird zunehmend verzichtet. Der Name «Mummenschanz» leitet sich aus der Verbindung von «Mummen» (Verhüllen) und «Schanz» ab, das auf das französische «Chance» anspielt.

1973 geht es auf die erste Europatournee. Im Herbst 1973 holt Arthur Shaftman, Theater-Agent aus den USA, das Trio in die Vereinigten Staaten. Aus einem Kurzabstecher werden 3 Jahre. Nach 1977 folgen Auftritte in den grossen Städten der USA und schliesslich von 1977 bis 1980 im Theater «Bijou» am Broadway in New York. Schon 1978 muss eine erste Stellvertretergruppe für den Broadway zusammengestellt und geschult werden.

Die Gründergruppe gastiert weltweit und es folgen Auftritte in der «Johnny Carson Show», «Sesame Street», «Muppet Show», «Red Skelton Show».

1979 unternimmt die Truppe die vorläufig letzte Tournee durch die Schweiz. Die Reiserei, die vielen Auftritte, die Managementaufgaben fordern ihren Tribut. Das Trio nimmt 1980 eine Auszeit: ein Jahr Ferien, ein Jahr Trennung. In dieser Auszeit kam auch Floriana Frassetto’s Tochter Melanya auf die Welt. 

1982–1991

1982–1991

1982–1991

Im Mai 1981 treffen sich die drei Künstler wieder mit neuen Ideen. Es ist der Ausgangspunkt für einen neuen Anlauf. 1982 wird ein Atelier auf dem Gelände der Roten Fabrik in Zürich bezogen. Neues wird erarbeitet. Neue Nummern sind der vier Meter lange Octopus oder die beiden grossen Hände. Es entsteht eine ästhetisch völlig neue Show. 

Zwischen 1981 und 1985 entsteht ein neues Programm «The New Show». Es folgen Gastspiele auf allen Kontinenten. 1986 wird «The New Show» am Broadway-Theater «Helen Hayes» während drei Monaten gespielt. Gleichzeitig wird eine neue Tournee-Gruppe aufgebaut. Parallel zum Trio-Auftritt in NYC reisen neue MUMMENSCHANZ Gruppen durch die USA. The «Mumm’s», wie sie in den USA genannt werden, stehen auf dem Zenith ihres Erfolgs. 

MUMMENSCHANZ Figuren werden zur kulturellen Mode. Auch auf der Theaterbühne. Etwa in der Aufführung «Faust» von Goethe in Taormina, unter der Regie von Giancarlo Sbragia. 1987 – 1988 Choreographie von Floriana Frassetto «In-Cubo» mit Mattia Sbragia, Raffaela Mattioli in der Galleria, Mailand. «Zauberflöte», Petit Opéra, Paris. 1990 folgen Choreografien für «Body and Soul» in der Regie von André Heller. 

1988 werden MUMMENSCHANZ vom Schweizer National-Zirkus Knie für eine Saison engagiert. Wie in den 70er Jahren sind auch jetzt wieder Gruppen im Einsatz, die zusätzlich zum Gründertrio auftreten. 

1991–2001

1991–2001

1991–2001

1991 folgt eine weitere Welttournee mit «The New Show». Auf dem Gipfel des Erfolges erkrankt Andres Bossard an AIDS und stirbt im März 1992 im Alter von 48 Jahren. Bernie und Floriana trauern um ihren Freund und langjährigen Partner. MUMMENSCHANZ durchläuft eine existenzielle Krise. Man pausiert und kommt zum Schluss, dass man es «Im Namen von Andres» nochmals probieren wolle. 

Bernie und Floriana nehmen schliesslich Nummern aus der Frühzeit wieder auf und kombinieren diese mit Elementen aus «The New Show» und treten zu zweit auf. Daraus entsteht die Retrospektive «MUMMENSCHANZ Parade». Man wagt erneute eine Welttournee. John Murphy stösst zum Duo. «Parade» wird zu einem Grosserfolg in den USA. 

1997 wird das 25 Jahre-Jubiläum von MUMMENSCHANZ im Théâtre Mogador, Paris und in der Alice Tully Hall, New York begangen. Im gleichen Jahr entsteht der poetische Film «MUMMENSCHANZ - The Movie» von Kamal Musale. 

Zunehmend wird die Situation von MUMMENSCHANZ schwieriger. Der ganze administrative Ballast, der Kampf ums Geld, das «Leben für das Publikum» - all das wird zur Last. Ein finanzielles Desaster, ausgelöst durch unlautere Machenschaften von profithungrigen Figuren, bedroht das Unternehmen. Der Rheintaler Unternehmer und Kulturförderer Hans Jörg Tobler betritt die Bühne. Er übernimmt die wirtschaftliche und operative Führung von MUMMENSCHANZ und ermöglicht damit einen finanziellen Neustart. Tobler ruft 1998 die MUMMENSCHANZ Stiftung mit Sitz in Altstätten, St. Gallen, ins Leben und widmet sich als Manager und Stiftungspräsident während der folgenden zwei Jahrzehnte voll und ganz dem Unternehmen. 

1998 beginnen Floriana und Bernie mit den Vorbereitungen für as neue Programm «Next». In St. Gallen erhält das Theater in einer Fabrikhalle eine Bleibe. Für «Next» stossen die neuen Künstler Raffaella Mattioli und Jakob Bentsen hinzu. 

«MUMMENSCHANZ Next» begeisterte am 18.März 2000 im St. Galler Stadttheater das Premierenpublikum. Damit geht das neu formierte Quartett auf Schweizer Tournee. Im Januar 2001 besteht «MUMMENSCHANZ Next» die Feuerprobe in New York. 

2002–2011

2002–2011

2002–2011

2002 Landesausstellung Expo.02. Die Organisatoren laden MUMMENSCHANZ ein, ihr eigenes MUMMENSCHANZ Theater auf der Arteplage Biel zu errichten. Vom 21. Mai bis 20. Oktober 2002 tritt MUMMENSCHANZ täglich auf und erreicht mit dieser Präsenz über 10 Millionen Expo-Besucher. Im MUMMENSCHANZ Theater wird ein kleines 20-minütiges «Special» gezeigt, das sich mit dem Thema «Zeit» befasst, in Anlehnung an die Uhrenstadt Biel.

Mit dem Programm Retrospektive «3×11», ist MUMMENSCHANZ ab 2006 auf Tour. Floriana Frassetto bezeichnet es als eine Art «Best-Of» ihrer drei Schaffensperioden. Vieles wird neu gestaltet, weiterentwickelt. Im Februar 2006 gastiert MUMMENSCHANZ in Australien. 

2010 stirbt Hans Jörg Tobler und Markus Simmen übernimmt die Geschäftsführung in einer schwierigen Zeit. Er führt MUMMENSCHANZ jedoch wieder zurück zum Erfolg, unter anderem mit der 40-Jahre-Jubiläusmtournee.

Die Premiere im Oktober 2011 im Theater 11 in Zürich war der Start zur grossen Jubiläumstournee, für Mitgründer Bernie Schürch war es die letzte Tournee.

seit 2012

seit 2012

seit 2012

2012 – 2015 stösst der Zürcher Tänzer und Choreograf Philipp Egli neu hinzu - als Ersatz für das Gründungsmitglied Bernie Schürch, der am 17. Juni 2012 mit fast 68 Jahren von der Bühne abtritt, nach 5'700 Vorstellungen.

Frassetto ist nun die letzte «Mumme» des Gründungstrios. Sie rekrutierte vier junge, neue Bewegungskünstlerinnen, mit denen sie MUMMENSCHANZ neu belebt. Zusammen mit Tina Kronis und Richard Alger kreierte sie neue Sketches.

Ab 2016 sind MUMMENSCHANZ in neuem Gewand mit neuen Inhalten – mit der abendfüllenden Bühnenshow «you & me» - erfolgreich auf Tournee im In- und Ausland. Das neue Programm lockt die Zuschauer in Scharen in die Theatersäle. «you & me» ist lustig, melancholisch, witzig, romantisch, verblüffend, magisch, dramatisch und spannend zu gleich. Es ist ein Spiel, das ohne Worte und Musik auf unnachahmliche Weise Szenen aus dem menschlichen Alltag interpretiert und damit die Menschen aller Generationen unterhält und berührt. Auch dieses Mal hat Floriana Frassetto die künstlerische Leitung inne.

2018 löst Marc Reinhardt nach knapp 8 Jahren Markus Simmen als Geschäftsführer der MUMMENSCHANZ Stiftung ab. 

Die Zeit des weltweiten Lockdowns nutzten Floriana Frassetto und ihre Truppe, um die neue Jubiläumsshow «50 Years» vorzubereiten. Diese hat am 10. Dezember 2021 in Zürich Premiere.